Geschichte

Die Geschichte des höchstgelegenen Gommerdorfes Bellwald (1563 m ü.M.) kann nicht mit Bischöfen und Landeshauptmännern auftrumpfen wie Münster und Ernen. Nicht einmal über das «Bei» oder «Bell» im Namen wissen wir Bescheid. Durch Lautverschiebung könnte aus «Fellwald» Bellwald geworden sein, musste doch bei der Besiedlung des Gebietes der Wald «gefällt» und gerodet werden.Es soll Zeiten gegeben haben, da es jeder Familie zur Pflicht gemacht wurde, jährlich mindestens sechs Bäume zu fällen, um das nötige Kulturland zu gewinnen. Zur Lage des Dorfes auf einer Anhöhe würde auch Bielwald» passen, umsomehr noch heute ein Dorfteil den Namen «Biel» trägt, und in alten Schriften oft vom Bellwalderberg die Rede ist. Ob es nun einst «Fell» oder «Biel» geheissen hat, an «Wald» gibt es nichts zu deuten. Nach der Sage sollen die Bellwalder aber auch beim Wald zu kurz gekommen sein, weil sie in ihrer Ängstlichkeit (darum der Übername Hasen) sich nicht vorzudrängen wagten, als im Goms der Wald verteilt wurde. Zum Trost habe der Herrgott ihnen den Namen Bellwald gegeben. Die Sonne und die weite Rundsicht aber liessen sich die Bellwalder nicht nehmen.

Die Dörfer des Bellwalderberges

In seiner «Description du Departement du Simplon» schrieb Dr. Hildebrand Schiner 1812: «Bellwald ist in einer wirklich schönen Lage. Besonders im Sommer ist es ein Vergnügen, es anzuschauen, denn es ist lieblich angelegt am Berg. Das Dorf ist ziemlich gross und hübsch und liegt zu Füssen eines schönen Waldes (belle forêt), vom dem es offenbar den Namen angenommen hat. Es liegt neben einem grossen Gletscher, aber doch eine gewisse Distanz von ihm entfernt. In dieser scheinbar wilden Gegend an der Seite des Gletschers und am Fuss des Waldes gibt es grosse und schöne Matten. Die Bewohner sind schlank, lebhaft und geistreich, und besonders das holde Geschlecht hat eine schöne Hautfarbe. Es gibt dort keine «Cretins» oder Leute mit einem Kropf. Das Benehmen der Bewohner dieses Dorfes ist irgendwie allen Gommern eigen; sie sind nicht gerade höflich, aber darum nicht weniger rechtschaffen.»

Wann dieser sonnige Bellwalderberg besiedelt wurde, liegt für uns im dunkeln. Dass die Steinzeitmenschen, von denen man im Binntal Gräber aus dem z. und 3. Jahrtausend v. Chr. gefunden hat, sich ins Gebiet des heutigen Bellwald hinauf wagten, ist kaum anzunehmen. Auch die Menschen der Bronzezeit um 1000 v. Chr. und der Eisenzeit haben keine Spuren hinterlassen. Von den Kelten und Römern, die im 8. und 9. Jahrhundert n.Chr. von den Allemannen verdrängt wurden, haben sich ebensowenig Zeugnisse erhalten, ausser vielleicht einige Ortsbezeichnungen. 

Die einzelnen Siedlungen am Bellwalderberg werden sich wohl aus Einzelhöfen entwickelt haben. Es entstanden die Dörfer Bellwald, Ried, Eggen, Bodmen und Fürgangen, die heute noch bestehen. Ausgestorben und verschwunden sind die Weiler Nesselschlucht, Schlettern, Willera, Ze Fäle und Z'Mettje. Auch vom ehemaligen Stafel auf der Alpe Richinen, der wie ein richtiges Dorf mit Wohnhütten und Ställen aussah, sind ein einziges Gebäude und die Kapelle übriggeblieben. Alles andere zerfiel oder wurde abtransportiert. Zwei Sennhütten wurden als Museumsstücke gerettet. Die Hütte der  Auswärtigen» und ein Stall sollen im Freilichtmuseum Ballenberg bei Brienz wieder aufgebaut werden; der «Spittel» steht heute im Dorf Bellwald, wo einst das Backhaus war. Vom sagenhaften Muttidorf und andern konnten keine schriftlichen Dokumente gefunden werden. 

Nur einige Ställe und Mauerresten zeugen heute noch von diesen einstigen Wohnsiedlungen, die im Verlauf der Zeit aufgegeben wurden. Von Nesselschlucht und Z'Mettjen sind noch die Kapellen erhalten
geblieben. Von der Grösse und Bedeutung verschwundener oder heute noch bestehender Weiler geben uns die Eintragungen im ältesten Taufbuch der Pfarrei Ernen eine Ahnung. Dabei ist zu beachten, dass vom April 1615 bis zum November 1617 die Angaben fehlen. Oft fehlt auch die Ortsangabe, und bei Bodmen ist nicht immer klar, ob es sich um das Bodmen in Bellwald oder bei Blitzingen handelt. 
Laut Taufbuch wurden in den Jahren 1610 bis 1620 mindestens 91 Kinder von Bellwald nach Ernen zur Taufe getragen. Davon kamen sechs aus den Schlettern, zehn aus dem Ried, 16 aus der Egge und 23 aus Bodmen. Eigenartiger Weise sind aus Fürgangen nur zwei Täuflinge angegeben, aber sehr oft stammen die Paten aus diesem Weiler.

Das Dorf

Das Hauptdorf Bellwald hiess 1374 «Zblattun». Daran erinnert noch heute der Dorfteil «unner dr Blatte» unterhalb der Kirche. Die andern Dorfquartiere heissen «üffem Platz, bim Brunne, üff dr Schlüecht, dr Biel, dr Geissfärrich, ds Mättelti, d'Steirufena und Turre».

Am Dorfrand entstanden in den letzten Jahrzehnten neue Wohnhäuser und Feriensiedlungen.

Ried

Auch beim Weiler Ried wurden in den letzten Jahren viele neue Häuser gebaut, die das alte Dörflein auf der Krete fast erdrücken. Dieser Weiler erlebte seine Hochblüte zwischen 1630 und 1750, als
dort die meisten Häuser gebaut wurden.

Eggen

Der Weiler Eggen, heute der kleinste von allen, war noch um 1600 bedeutender als Ried oder Fürgangen. Heute gibt es dort noch vier alte Häuser: «ds Hüeberhüs» aus dem 16. Jahrhundert, das grosse Doppelhaus zuoberst im Dörflein von 1647/1723, das Haus neben der Kapelle von 1756 und ein altes Haus aus dem 16. Jahrhundert, das lange als Stadel benutzt, 1976 wieder bewohnbar gemacht wurde. Westlich davon stand, wie die Hofstatt andeutet, auch noch ein Haus. Abgerissen wurde 1895 das alte «Restihüs». Es stand unterhalb des grossen Doppelhauses. Die Kellermauern eines Hauses, das anfangs des 20. Jahrhunderts verschwand, kann man noch westlich beim Haus neben der Kapelle gegen das Fieschertal hin sehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch das alte Backhaus abgerissen.

Bodmen

Der Weiler Bodmen, früher unterteilt in Bodmen und auf der Halte, soll bis 1821 eine selbständige Gemeinde gewesen sein. Die Dorfschaft oder Geteilschaft besitzt heute noch Wald auf der «Gibelegge».

Im Jahr 1896 fielen zwischen der oberen und der unteren Bodme acht Gebäude dem Feuer zum Opfer, darunter drei Wohnhäuser.

Fürgangen

Fürgangen, 1293 erstmals erwähnt als «Wrgangen» oder «Wurgangen», stand einst unter der Herrschaft der Grafen von Blandrate. Paul Bogner von Niederernen kaufte 1444 diese Herrschaftsrechte und nannte sich «Richter von Fürgangen». Nach 1595 soll diese Gerichtsbarkeit an die Familie Schiner übergegangen sein. Wann das «Freigericht» Fürgangen mit dem Zendengericht des Goms vereinigt wurde, ist unbekannt. Der Weiler Fürgangen, der bis 1963 zur Pfarrei Ernen gehörte, wurde am 12. Juli 1887 zum grössten Teil durch Feuer zerstört. Dem Feuer fielen 18 Firsten zum Opfer, darunter zwei Wohnhäuser, und es war ein Menschenleben zu beklagen. Im folgenden Jahr brannteauch das Wirtshaus samt Stall und Scheune in Fürgangen nieder.

Bei der Feuersbrunst von 1887 in Fürgangen wurde laut der Gemeinderechnung der grosse «Brand» in den Kehlen der Feuerwehrmannschaft gelöscht mit «11 Liter Weisser Wein, der Liter zu 80 Cents; 11 Liter zu 1 Fr. und 2 1/2 Liter Brantwein zu 2 Fr. der Liter; 3 Liter Roter Wein zu 1 Fr.», dazu noch Brot für 10 Fr. gegen den Hunger. Überhaupt war das Feuer schon immer ein gefürchteter Feind in den Dörfern mit den nahe bei einander gebauten Holzhäusern. Darum wird heute noch nach alter Tradition der St. Agathatag (5. Februar) als Feiertag gehalten, wie es unsere Vorfahren in der Gemeindeversammlung am 7. März 1909 beschlossen haben.

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